Durch Partizipation für morgen befähigen

Der Stifterverband hat zusammen mit McKinsey den Hochschulbildungsreport 2020 veröffentlicht. Betitelt ist dieser Report mit “Für morgen befähigen”. Mich hat dieser Titel sofort angesprochen, da auch wir es als unsere Aufgabe verstehen, die Lehrenden und Studierenden auf Herausforderungen ihrer Zukunft vorzubereiten. Daher habe ich den Report einmal mit meiner rosaroten Partizipationsbrille gelesen.

Der Hochschulbildungsreport beschäftigt sich zu Beginn mit der Darstellung des Hochschul-Bildungs-Index. Auf diesen Index will ich nicht weiter eingehen, aber die Weiterentwicklung der Hochschulbildung verläuft demnach nicht so positiv wie erhofft.

Des Weiteren und hauptsächlich beschäftigt sich der Report  mit eigens aufgestellten Future Skills. Future Skills sind demnach Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften, die in den nächsten fünf Jahren für das Berufsleben und/oder die gesellschaftliche Teilhabe deutlich wichtiger werden und zwar über alle Branchen und Industriezweige hinweg. Diese wurden durch Workshops, Befragungen und Interviews herausgearbeitet. Fokusthema des Berichts ist die Quartäre Bildung (wissenschaftliche Weiterbildung). Für die Hochschulen werden vier Empfehlungen formuliert. Für die Politik nochmal drei. Durch die Umsetzungen dieser Empfehlungen sollen Universitäten besser dazu beitragen können, die von der Wirtschaft benötigten Future-Skills herauszubilden.

Diese gliedern sich in technologische Fähigkeiten, digitale Schlüsselqualifikationen und nichtdigitale Schlüsselqualifikationen. Hochschulen sollten  Lehrstrategien entwickeln, die neben klassischen Lehrformaten auch aktivierende Formen der Lehre enthalten. Hierzu zählen Ansätze des problem-  und projektorientierten Lernens sowie die Vermittlung von innovativen Methodenkompetenzen wie Design Thinking.   Projektbasierte Lernmodule ermöglichen den Studierenden demnach, kooperativ über die Grenzen der Hochschule hinaus zu denken und mit Partnern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten.

Und hier kommt dann die studentische Partizipation ins Spiel. Projektorientiertes Lernen ist oft mit einem hohen Aufwand verbunden (für Lehrende und Studierende), der sicherlich eher auf Akzeptanz stößt, wenn die Studierenden die Projekte selbst mit auswählen können. Die direkte Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist vermutlich fruchtbarer, wenn sie den Studierenden nicht aufgezwungen erscheint, sondern ihren Interessen entspricht.

Aus den oben erwähnten Interviews hat sich herauskristallisiert, dass die wichtigste Kompetenz, welche die meisten Mitarbeiter in Zukunft benötigen (werden),  die Fähigkeit zur Kollaboration ist, die zunehmend durch digitale Technologien unterstützt und geprägt sein wird: Neun von zehn Mitarbeitern sollten sie beherrschen können. Wichtig wird diese Fähigkeit demnach vor allem aufgrund des Trends in Unternehmenskulturen hin zu flexiblen Arbeitszeiten, agilen Arbeits- und Co-Working-Kulturen sowie Angeboten zu ortsungebundener Arbeit und Homeoffice.

Aus meiner Sicht können z.B. Seminare nur dann auf eine solche Arbeitswelt  vorbereiten, wenn sie selbst entsprechend angelegt sind.  Und damit Lehre auch unter diesen Umständen erfolgreich sein kann, würde ich empfehlen, die Studierenden hier partizipativ einzubinden. Ein solches Konzept zu entwickeln, in dem alle in diesem Beitrag aufgeführten Punkte berücksichtigt werden, finde ich sehr spannend. Mit einer Kollegin aus der UHH werde ich mich dran setzen, das mal auszuprobieren. Vor allem Studierende, die Lust haben, ein solches Konzept mit zu entwickeln, können sich gerne bei uns melden.

Positive Emotionen, Kommunikation und Feedback in Lehrveranstaltungen

Fabian Wagner schrieb ein Buch über das Thema Hochschullehre und verfolgt damit das Ziel, etwas Anderes zu publizieren als „lange Methodensammlungen und Anleitungen“. Er versteht sein Buch eher als einen Wegweiser für Lehrende. Mehr als ein Wegweiser kann es auch gar nicht sein, denn Fabian Wagner selbst ist kein Lehrender, er zieht seine Schlüsse aus der Leitung von Tutorien während seines Studiums und aus einer Tätigkeit als Nachhilfelehrer. Er nennt hierbei den Vorteil, dass er so nicht an sogenannter „Betriebsblindheit“ leide. Für mich ist es fraglich, ob jemand mit kaum eigener Lehrerfahrung einen Ratgeber für Lehrende schreiben kann. Die Hinweise sind theoretisch kaum fundiert und die Umsetzbarkeit der Tipps ist nicht erprobt.

Nichtsdestotrotz finde ich, dass einige Hinweise aus dem Buch für einen ersten Anstoß zur Reflexion von Lehrveranstaltungen gut sind, was ich allerdings nur aus meiner Rolle als Studentin heraus beurteilen kann. Deshalb werde ich meine Meinung zu einigen von Wagner gemachten Äußerungen, vor allem die, die sich mit Partizipation in Verbindung bringen lassen, aufschreiben.

Wer Partizipation in seine Lehre einbauen möchte, kann in dem Buch einige Denkanstöße erhalten. Es wird zwar (außer ich habe es übersehen) nicht direkt das Wort „Partizipation“ genutzt, aber trotzdem lassen sich Aspekte von Partizipation in dem Buch finden. Diese Aspekte haben fast immer die Intention, dass Lehre sowohl für Studierende als auch für Lehrende spannender und effektvoller wird und zeitgleich mehr Spaß macht. Seit einiger Zeit arbeiten wir schon an dem Thema studentische Partizipation in der Hochschullehre, aber wir haben bisher wenig Literatur dazu gefunden. Falls jemand von unseren Leser*innen Literaturvorschläge für uns hat, freuen wir uns jederzeit über Hinweise.

 

Ich habe mich gefreut, dass das Buch  (zwar indirekt) das Thema studentische Partizipation beinhaltet.

Fabian Wagner geht von der Grundannahme aus, dass Lernprozesse durch positive Emotionen verbessert werden und beruft sich dabei auf die Arbeit des Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther. Ohne mich näher mit der Arbeit von Hüther befasst zu haben (die Arbeit wird im Buch auch nicht näher beschrieben), stimme ich dieser Aussage zunächst einmal zu. Ich würde schon sagen, dass ich in Lehrveranstaltungen, in denen ich positive Emotionen verspürte, mehr gelernt habe als in anderen Veranstaltungen. Die positiven Emotionen wurden bei mir z. B. durch Interesse am Thema, eine anschauliche Lehrmethode des Lehrenden oder auch durch einen persönlichen Lernerfolg hervorgerufen.

Die Wichtigkeit von Kommunikation zwischen Teilnehmenden in Lehrveranstaltungen wird von Fabian Wagner betont, was ich ebenfalls aus meinen Erfahrungen heraus unterstütze. Ich denke, dass Kommunikation für eine angenehme und gute Atmosphäre sorgen kann (was sich wiederum mit den positiven Emotionen in Verbindung bringen lässt) und einen Austausch auf Augenhöhe ermöglicht. Der Autor plädiert dafür, dass bereits zu Beginn des Semesters ein Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden passiert, bei dem sich beispielsweise über Hintergründe, Vorerfahrungen und Wünsche ausgetauscht wird. Ich denke, dass dieser Austausch einen ersten Anstoß für eine gute Kommunikation in der Veranstaltung bietet, habe es allerdings auch schon erlebt, dass am Anfang der Veranstaltung solch ein Austausch stattfand, danach allerdings keine weitere nennenswerte Kommunikation vonstattenging.

Zum Thema der Kommunikation passt auch, dass Fabian Wagner Lehrenden dazu rät, die Studierenden nach ihren Meinungen zu neuen Methoden in der Veranstaltung zu fragen. Dies habe ich selber noch nicht miterlebt, könnte es mir aber ganz gut vorstellen, denn Feedback kann ja auch einfach mal zwischendurch zu bestimmten Methoden gegeben werden und muss sich nicht immer auf die komplette Veranstaltung beziehen oder kann nur am Ende gegeben werden. So würde ich mich als Studentin ernstgenommen fühlen und hätte die Möglichkeit, die Veranstaltung partizipativ zu beeinflussen, falls mir etwas nicht gefällt.

Wagners Buch steckt voller kleiner Ansätze, die mit unserem Partizipationsansatz übereinstimmen. In diesem Blogbeitrag sind davon natürlich noch nicht alle Ansätze aufgegriffen. Bei dem Buch sollte nicht mit einem großen theoretischen Fundament oder mit Hinweisen eines Autors mit viel eigener Lehrerfahrung gerechnet werden, sondern eher mit einem praktischen Wegweiser.

Falls Du das Buch auch gelesen hast und mir deine Meinung darüber mitteilen möchtest, freue ich mich über jeden Kommentar unter diesem Beitrag. Jede*r, der*die meine hier beschriebenen Erfahrungen ergänzen möchte, ist ebenfalls herzlich dazu eingeladen, einen Kommentar zu verfassen.

Vierte bundesweite Konferenz für studentische Forschung in Kiel

Am 26. und 27.9. 2019 findet in Kiel die vierte bundesweite Konferenz für studentische Forschung statt. Ausgerichtet wird sie vom „Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen“ gemeinsam mit Studierenden der Uni Kiel. Dieses Jahr lautet der Konferenz-Titel „Forschung vermitteln, Lehre voranbringen, Gesellschaft gestalten“ und soll Raum für Studierende bieten, ihre Forschungsarbeiten und studentischen Lehrprojekte vorzustellen und zu diskutieren.

Die letzte bundesweite studentische Konferenz tagte letztes Jahr an der Uni Bochum und einige unserer KollegInnen vom Universitätskolleg waren vor Ort und haben berichtet. Ging es dort noch unter dem Titel „Forschen und Lehren in studentischer Hand“ stärker um Selbstorganisationsprozesse von Studierenden, wird mit der vierten Konferenz der Praxis-Transfer in den Fokus gerückt – Studierende als Gestaltende von Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Mir gefällt diese Entwicklung sehr gut, da ich denke, dass Studierende Lehre und Forschung verbessern können, indem sie sich partizipativ bei der Gestaltung einbringen. Studierende können praxisrelevante Beispiele aus ihrer Lebenswelt einbringen, mit persönlicherem Bezug lernen und dazu beitragen, die Lehr- und Forschungsgegenstände zu aktualisieren. Mit der Erweiterung auf den Praxis-Transfer gewinnt dieser Aspekt auf den studentischen Konferenzen noch mehr Gewicht und formuliert berechtigterweise den Anspruch, mit der eigenen Forschungs- und Projektarbeit an der Gestaltung der Gesellschaft zu partizipieren. Das stiftet Sinn und eröffnet Perspektiven für Studierende, sich noch mehr als handelnde Subjekte zu begreifen, die jede Lebenssituation (so auch Lehre und Studium) durch ihr Handeln beeinflussen.

Darüber hinaus lernen Studierende auf den Konferenzen auch von Studierenden und ermöglichen Lernprozesse für Studierende. Nicht nur die Wahl des Forschungsgegenstandes, der Fragestellung und der Erkenntnishaltung, sondern auch die Durchführung von Forschungsmethoden, die Bewertung der Ergebnisse und ihre Publikation gewinnen so mehr an Plastizität und rücken für die anderen Teilnehmenden dadurch in greifbarere Nähe. Gleiches gilt für die Auswahl, Planung und Durchführung von Lehrprojekten: Mit welcher Haltung begegne ich Lernenden (und umgekehrt: Mit welcher Haltung begegnen Studierende Lehrenden)? Welches Handwerkszeug wird dafür benötigt und vor welche Herausforderungen werden Lehrende gestellt? All’ diese Fragen werden Ende September in Kiel thematisiert – und dokumentierbar sein, weshalb ich an dieser Stelle eine starke Teilnahmeempfehlung aussprechen möchte.

Die Teilnahme ist kostenlos und die Anmeldung läuft noch bis zum 31. August.

Partizipatives Hitzefrei

Da dieser Blog auch mal weniger ernste Themen beinhalten kann, wollten wir einen kurzen Beitrag über das derzeitige heiße Sommerwetter in Hamburg verfassen. Die Nachricht vom Präsidenten über Hitzefrei für alle Mitarbeiter*innen der UHH am 25. Und 26.07. ab 12 Uhr kam für uns als Team überraschend, da wir nicht damit rechneten, dass Angestellte auch Hitzefrei bekommen können. Wir gingen eher davon aus, dass es das nur in Schulen gibt.

Aber warum eigentlich? Wir können so partizipativ mitentscheiden, wie wir unsere Arbeitszeiten legen und gestalten und vor allem bei diesem Wetter lädt solch eine Nachricht doch tatsächlich dazu ein, sich seine Arbeitszeit so zu legen, dass man am effektivsten arbeiten kann. Und ob effektives Arbeiten bei ca. 35°C aufwärts möglich ist, bleibt fraglich. Um das Arbeiten bis 12 Uhr so angenehm wie möglich zu gestalten, handelten wir als Team die verschiedensten Dinge gemeinsam partizipativ aus: Sollen die Fenster eher auf oder zu sein, um die warme Luft nicht im Büro zu haben oder um immerhin ein bisschen Luftzirkulation zu haben? Wo sollen die Ventilatoren stehen? Sollen die Ventilatoren an sein, oder stören die Geräusche eher beim Arbeiten? Wir denken, dass wir hierbei eine gute Lösung für alle gemeinsam durch verschiedene Diskussionen gefunden haben, damit alle gut bis 12 Uhr durchhalten.

Wir wünschen allen, die bei diesen Temperaturen trotzdem arbeiten müssen, gutes Durchhalten und trotzdem das bestmögliche Genießen des sommerlichen Wetters.

Foto: Pixabay/Alexander Paukner

Wir suchen nach erfolgreichen Partizipationsstrategien

Egal ob Partizipationslabor, Jahrestagung des Universitätskollegs, Podcast und dieser Blog oder in unseren anderen Tätigkeiten, wir versuchen, Stück für Stück den Kern der studentischen Partizipation zu erreichen und sichtbar zu machen.

In einem vor Kurzem erstmals durchgeführten Workshop haben wir acht Student*innen nach ihren erfolgreichen Partizipationsstrategien gefragt. Uns war es dabei wichtig, dass die Student*innen intuitiv antworten und nicht erst eine Diskussion darüber führen, was eigentlich mit Partizipation gemeint ist. Solche Debatten sind ganz sicher auch wichtig und wir führen sie an anderer Stelle ja auch.

Unser Ansatz war es jedoch, anhand ihrer Strategien Muster zu erkennen, die dann von uns so aufgearbeitet werden, dass wir sie auch anderen Student*innen als Good-Practice Beispiele zur Verfügung stellen können.

Wir haben dabei viel gelernt und einige Muster entdeckt, die wir nun weiter aufarbeiten. Auch wenn der eigene Lernprozess einige Überraschungen für uns bereit hielt, hat uns vor allem das Feedback der Student*innen positiv überrascht. Wir haben sie gefragt:

Hast Du durch die Teilnahme am Workshop Kompetenzen erworben, die Du im Studium nutzen kannst?

Und folgende Antworten haben wir erhalten:

  • Strukturiertes Denken
  • Reflexion des eigenen Tuns
  • Clustern
  • Abwägen von Wichtigem/Unwichtigem
  • Vertiefung lösungsorientierten Arbeitens
  • Auf der Metaebene Kommunikation/Austausch etc.

Das Nachdenken über Partizipation bringt also nicht nur Erkenntnisse über Partizipation, sondern liefert darüber hinaus auch noch einen persönlichen Mehrwert.

Wir werden unsere Eindrücke aus dem Workshop und das weitere Feedback nun nutzen, um unser Angebot weiter auszubauen und mit noch mehr Mehrwert zu füllen.

 

 

Diversität und Partizipation in Lehrveranstaltungen

Wir waren am 18.06.2019 beim Diversity-Tag der Universität Hamburg dabei und haben die Studierenden gefragt, wie sie die Berücksichtigung von Diversität in ihren Lehrveranstaltungen wahrnehmen und welche Rolle Partizipation hierbei spielt.

Die Veranstaltung stellte eine Gesprächsplattform dar, um auf vielfältige soziale Aspekte aufmerksam zu machen und vor allem, um mit Studierenden darüber ins Gespräch zu kommen.

Das Universitätskolleg organisierte in diesem Rahmen sieben Stationen, verteilt über den Campus. An der Station unseres Projektbereichs wurde das Thema der studentischen Partizipation im Hinblick auf Diversität betrachtet und reflektiert. Durch den Diskurs mit und unter den Studierenden haben wir ihr partizipatives Verständnis gestärkt.

Insgesamt traten 27 Studierende gegeneinander an, indem sie einen kleinen Wettlauf zwischen einem großen Puzzle mit Schlüsselbegriffen und einer Punkt-Umfrage zu den Themen Diversität und Partizipation absolvierten und die Fragen sowie das Puzzle schnellstmöglich bearbeiteten. Dieser spielerische Charakter unserer Station brachte auf der einen Seite Spaß und führte auf der anderen Seite dazu, dass wir Impulsantworten von den Studierenden erhielten.

Schlüsselbegriffe zu den Themen Partizipation und Diversität

Die Punkt-Umfrage regte eine Reflexion der Studierenden über ihre Lehrveranstaltungen in Bezug auf Diversität sowie auf partizipative Gestaltung an und ermöglichte neue Denkanstöße.

Besonders positiv bei den Ergebnissen fiel dabei auf, dass für die meisten der befragten Studierenden die Lehr- und Lernziele ihrer besuchten Lernveranstaltungen transparent seien und dass ein großes Gefühl von gegenseitigem Respekt zwischen Lehr- und Lernpersonen herrsche. Verbesserungswürdig scheint dieser Umfrage zufolge, dass die Studierenden nicht das Gefühl hatten, dass Diversität unter Studierenden in Lehrveranstaltungen mit einbezogen wird, was die Notwendigkeit eines Diversity-Tages betonte. Ebenso beantworteten auffallend viele Studierende die Frage, ob Lernziele im Seminar gemeinsam festgelegt wurden negativ.

Zum letzten Punkt kam aber auch die Frage auf: „Macht es eine Lehrveranstaltung wirklich partizipativer, wenn die Lernziele gemeinsam festgelegt werden oder weiß eine gute Lehrkraft, was für Ziele erreicht werden sollen und die partizipative Einbindung der Studierenden ist dann bei dem Weg zur Zielerreichung gefragt?“

Die gestellten Fragen wurden kontrovers diskutiert und es ist uns ganz wichtig hier noch einmal festzuhalten, dass es nicht automatisch für eine gute Lehrveranstaltung spricht, wenn zum Beispiel Wunschthemen integriert werden. Die genannten Aspekte müssen sinnvoll in ein Lehr-Lern-Konzept eingebettet werden und je nach Veranstaltungsform können unterschiedliche Aspekte hilfreich oder auch weniger hilfreich sein.

Die Ergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, Veränderungen in Richtung einer partizipativeren Lehre an der Uni Hamburg anzustoßen und zu diskutieren. Wir freuen uns darüber, dass wir das Thema auf dem Campus präsenter machen konnten und haben viele Ideen mitgenommen, an denen wir weiter arbeiten und die wir zum Beispiel in Veranstaltungen wie unserem Partizipationslabor mit einfließen lassen.

Die Ergebnisse der Punkt-Umfrage sind in den folgenden Grafiken in der Slideshow dargestellt.

 

 

Unser Recht auf Partizipation und was wir daraus machen!

Im Rahmen der Jahrestagung des Universitätskollegs unter dem Motto „Lehre und Studium gemeinsam gestalten: Ideen diskutieren – Konzepte erproben – Impulse vermitteln“  haben wir eine Podiumsdiskussion durchgeführt.

Uns war es wichtig, mit Studierenden der UHH über ihr Studium zu sprechen, statt mit anderen Akteuren über die Studierenden zu sprechen. Gleichzeitig war es uns wichtig, deutlich hervorzuheben, dass es in der Verantwortung der Studierenden liegt zu partizipieren bzw. dies einzufordern.

Nach unserem Verständnis sind Studierenden nicht nur die Teilnehmer*innen einer Lehrveranstaltung, sondern Menschen, die sich bewusst und eigenverantwortlich dafür entschieden haben, einen wichtigen Teil ihres Lebens an dieser Universität zu verbringen. Wer sich dafür entscheidet sein bzw. ihr Studium hier zu beginnen, hat auch  das Recht über die eigene Zukunft mit zu entscheiden und daher auch das Recht sich einzumischen, was im eigenen Studium passiert.

Ausgehend von diesen Grundannahmen haben wir mit Johanna Gandl, Lukas Even und Makieu Daniels über ihre Erfahrungen und Anregungen zu studentischer Partizipation diskutiert. An dieser Stelle sei den dreien ganz herzlich für ihren Mut gedankt, sich der Diskussion zu stellen. Neben den Fragen die wir vorbereitet haben und den Fragen die sich spontan aus der Diskussion ergeben haben, hatte das Publikum die Möglichkeit ihre Fragen einzureichen. Dabei sind einige Fragen zusammengekommen, die wir (noch) nicht alle diskutieren konnten:

Mit Padlet erstellt

Wer die Diskussion verpasst hat, kann sie sich in unserem Podcast noch mal anhören. Wir werden die Episoden bald veröffentlichen.

Für uns war die Diskussion ein gewinnbringender Austausch, aus dem wir einige Schlüsse für unsere zukünftige Arbeit ziehen konnten. Dabei sind wir uns jedoch bewusst, dass wir sehr subjektive Eindrücke erhalten haben, die sich nicht einfach auf andere Studierende, Studiengänge und Fakultäten übertragen lassen. Das Recht auf Partizipation wird in anderen Studiengängen vermutlich anders ausgelebt als von Johanna, Lukas und Makieu beschrieben. Aber wir glauben den dreien gerne, wenn sie sagen, dass ihre Lehrveranstaltung mit dem höchsten Partizipationsgrad, auch die Seminare waren in denen sie am meisten gelernt haben.

1. Partizipationslabor durchgeführt

Das Team Hochschullehre und studentische Partizipation des Universitätskollegs der Universität Hamburg organisierte am 20.06.2019 das erste Partizipationslabor für interessierte Lehrende und Studierende der Universität Hamburg und Vertreter*innen weiterer Hochschulstandorte Deutschlands.

Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit den Teilnehmenden Räume für den Dialog über Partizipation zu eröffnen, bestehende Vorurteile und Erwartungen offen anzusprechen, über bewährte Lösungswege breiter zu informieren und gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.
Im Fokus stand bei diesem ersten Partizipationslabor die Diversität der Studierenden besonders in Bezug auf ihr Alter und die unterschiedlichen Lebenswelten und Einstellungen der verschiedenen Generation. Weiterhin sollte die Tagung den Teilnehmenden die Möglichkeit bieten, vom direkten Austausch beider Perspektiven, der Lehrender und der Lernender, zu profitieren und sich untereinander zu vernetzen bzw. bestehende Netzwerke zu vertiefen. Außerdem sollte diese Veranstaltung den Auftakt für die zukünftige Zusammenarbeit und eine generelle Vernetzung aller Akteur*innen darstellen.

Wir freuen uns auf weitere Begegnungen mit allen Teilnehmer*innen sowie weiteren interessierten Universitätsmitgliedern. Wir wollen Sie weiterhin bestmöglich darin unterstützen, durch studentische Partizipation erfolgreich zu lehren und zu lernen.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung spiegelte die Zahl der Anmeldungen für das Partizipationslabor das vorhandene Interesse und die Dringlichkeit des Themas der Studentischen Partizipation in der Lehre wider.

Um inhaltlich in das Thema der Studentischen Partizipation einzusteigen, hörten wir nach den Grußworten zunächst zwei Vorträge: Angela Sommer vom Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen bot einen Einstieg in das Thema mit Blick auf die Lehrenden und Kea Glaß gab als Best-Practice-Beispiel einen Einblick in ihre Lehrveranstaltung zum Thema „Alt werden in Bergedorf“, die sich an den Ansätzen des forschenden Lernens und des Community-based Research orientiert.

Nach dem Vortrag über ihre Lehrveranstaltung wurden Nachfragen von den Teilnehmenden gestellt, die in einer angeregten Diskussion mündeten. So wurde diskutiert, ob Notengebung nicht auch partizipativ gestaltet werden könne. Es könne beispielsweise eine studentische Hilfskraft eingebunden werden, was jedoch keine direkte Partizipation sei. In der Diskussion stellte sich heraus, dass für die Teilnehmer*innen transparente Bewertungskriterien und Auswahlmöglichkeiten von Prüfungsformen Möglichkeiten von Partizipation bei der Notengebung darstellen. Ein Ansatz zur partizipativen Notengebung könne die Orientierung an der Bewertung des Entwicklungsprozesses der Studierenden sein. Es wurde außerdem diskutiert, ob Notengebungen überhaupt noch nötig seien.

Einen weiteren Diskussionspunkt stellte die gemeinsame Unterrichtung von Bachelor- und Masterstudierenden dar, wie Kea Glaß es in ihrem Seminar umsetzte. Dies zeichne sich durch Vor- und Nachteile aus. Vorteilhaft sei bei einer derartigen Konstellation, dass die fortgeschritteneren Masterstudierenden die Bachelorstudierenden „an die Hand nehmen“ können. Kritische Stimmen sagten allerdings, dass eine Unter- oder Überforderung bei den Studierenden aufgrund des unterschiedlichen Leistungs- und Wissensstands ebenfalls möglich sei.

In einem zweiten Schritt wurden die Teilnehmenden für den anschließenden Workshop unter der Leitung von Sarah Heiden von der TU Nürnberg nach einer Input-Phase in Arbeitsgruppen aufgeteilt, um verschiedenen Fragestellungen nachzugehen.

Generation Z – Aktive Partizipation

Abschließend fand eine Bestandsaufnahme bzw. eine Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse statt.

Unser Besuch beim Aktionstag von inSTUDIESplus

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) lud am 8. Mai zum Aktionstag des QPL-Projektes „inSTUDIESplus“. Dort sollte den RUB-Studierenden ermöglicht werden, eigene studentische Projekte zur Verbesserung von Studium und Lehre zu initiieren. Wir nahmen als Projektbereich „Hochschullehre und studentische Partizipation“ des Universitätskollegs daran teil und waren begeistert von den Ideen, wie Studierende partizipativ an der Lehrgestaltung beteiligt werden.

Zum Hintergrund: Unter dem Titel „Initiativ Handeln“ fördert ein Team unter der Leitung von Dr. Andrea Koch-Thiele nach einem mehrstufigen Verfahren jährlich eine Reihe ausgewählter studentischer Projekte. Egal ob die eingereichten Ideen tatsächlich gefördert werden, eine ausführliche Rückmeldung ist allen sicher. Bisher profitierten 45 Projekte von der Beratung, einem Projektbudget und Hilfskraftstellen. Ziel dabei ist die „Weiterentwicklung von Lehre und Beratung an der RUB, um Studierende bei der Ausbildung eines individuellen Studienprofils zu unterstützen.“ Am Aktionstag sollten sich die in der letzten Antragsrunde geförderten Projekte vorstellen, um Studierenden der nächsten Antragsrunde ihre Erfahrungen zu vermitteln. Dass Studierende befähigt werden, eigene Projekte einzureichen, kennzeichnet eine für uns möglichst weitreichende Übertragung von Lehrentscheidungen von Lehrenden auf Studierende.

Es zeigte sich, dass Studierende u. a. aufgrund ihrer Ungeübtheit mit eigenständig didaktisch gestalteten Settings Unterstützung bedurften, um an der Hochschullehre zu partizipieren. Wenn diese aber hinreichend gegeben war, nahmen die Studierenden mit Freude die Herausforderung an, Lehre mitzugestalten – eine für uns bestärkende Erfahrung, an der Universität Hamburg noch mehr nach den Bedingungen und den erforderlichen Erfahrungen für gelingende Partizipation von Studierenden zu fragen.

 

Zu dem ausführlichen Tagungsbericht geht es hier entlang.

Partizipation braucht Information

Wahrscheinlich kennen wir das alle aus unserem Alltag. Jemand möchte eine Entscheidung treffen, ist sich dabei aber nicht ganz sicher und fragt uns daher nach unserer Meinung. Und plötzlich stehen wir da und bekomme ein Stück weit Verantwortung übertragen. Schließlich kann unsere Rückmeldung ja die Entscheidung beeinflussen.

Es mag viele Fälle geben, da ist ein solches Vorgehen zwar legitim, aber es stellt keine echte Partizipation dar. Das trifft vor allem bezogen auf die Hochschullehre zu. Ein Beispiel: In einer Veranstaltung vor ein paar Wochen wurden wir in Gruppen eingeteilt und gebeten aufzuschreiben, wie studierende auf ein bestimmtes Thema blicken um daraus eine studierenden-freundliche Lösung zu erarbeiten. In der Gruppe waren sehr viele Ideen und Meinungen vertreten. Studierende hingegen waren kaum beteiligt. Die meisten Äußerungen begannen vermutlich mit Formulierungen wie: “Ich glaube …”, “Ich denke …” oder “Ich vermute …”.

Damit waren jedoch weder wir als Diskussionsteilnehmer, noch die Studierenden als betroffene, wirklich partizipativ eingebunden. Ganz subjektiv war ich mit so viel Verantwortung, im Verhältnis zu so wenig inhaltlichen Wissen überfordert. Ich hätte belastbare Fakten gebraucht um aus meinen Meinungen und Ideen echte Argumente zu machen. Und ich glaube, dass es Studierenden in der Hochschullehre oft so geht. Sie sollen eine subjektive Meinung äußern die Entscheidung beeinflusst, von der mehr Menschen als sie selbst betroffen sind und bei der sie das Gefühl haben, ihre Meinung ist nicht fundiert genug.

Für studentische Partizipation in der Hochschullehre brauchen Studierende ein ausreichendes maß an belastbaren Informationen.