Geht lernen nur, wenn man sich gut fühlt?

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Fabian Wagner hat ein tolles Buch für Lehrende geschrieben, in dem er seine Erfahrungen als Dozierender in möglichst einfacher Sprache und mit vielen Anregungen versucht hat bereitzustellen. In diesem formuliert er auch sein Lernverständnis und greift dabei auf die Aussagen des Neurobiologen Gerald Hüther zurück.

Hüther wurde 1951 in der DDR geboren und hat dort in Leipzig und Jena eine biologische Ausbildung bis zur Promotion erhalten. Seit Ende der 70er arbeitet und forscht er in Göttingen auf dem Gebiet der Hirnentwicklungsstörungen und der neurobiologischen Grundlagenforschung. Er hat dort ebenfalls im Fach Neurobiologie habilitiert und vertritt die These, dass positive Emotionen die Lernbereitschaft zu Teilen erst ermöglichen und negative Emotionen diese sogar gen Null senken können.

Auch wenn bei Hüther die Bedingungen und Qualitäten dieser Emotionen nicht näher erläutert werden – was seine These recht frei interpretierbar macht – können wahrscheinlich viele von uns seine grundsätzliche Beobachtung bei sich selbst im Alltag machen: Wenn es uns schlecht geht, beispielsweise weil wir ungelöste Konflikte und daraus resultierenden Stress mit PartnerInnen, Familienmitgliedern, FreundInnen oder KollegInnen haben oder weil uns (Zukunfts-)Sorgen bezüglich unserer Finanzierung oder unserer Gesundheit plagen, haben wir manchmal einfach nicht den Kopf dafür, uns jetzt mit dem Unterrichtsstoff zu beschäftigen – sei er auch noch so interessant, für unser Studium wichtig und/oder gesellschaftlich relevant.

Auf der anderen Seite merken wahrscheinlich viele von uns auch, dass wir besser lernen, mehr Initiative ergreifen und wir ganz bei der Sache sind, wenn es uns gut geht, unsere Beziehungen sich positiv entwickeln, die Arbeit, die wir tun, uns als produktiv und sinnvoll erscheint – ebenso wenn wir uns von Verausgabungen gut erholen können, wir unseren Körper durch Sport und gute Ernährung gesund erhalten und unseren Hobbys nachgehen können. Was bedeutet das nun für studentische Partizipation in der Lehre?

Daneben, dass KommilitonInnen sich gegenseitig bei Alltagsfragen unterstützen können und Lehrende im besten Fall auf die vielfältigen Lebenslagen und Bedarfe der Studierenden gut vorbereitet sind, setzt Partizipation unmittelbar an der Frage an, ob einem die (Studien-)Arbeit als produktiv und sinnvoll erscheint: Wenn die Interessen, warum jemand ein Studium begonnen hat mit einer Perspektive, woraufhin man sich im Studium und in der Arbeitswelt hin entwickeln möchte, verknüpft und zusammen sinnvoll in der Lehre aufgehoben sind, löst das potentiell positive Emotionen aus, was nach Gerald Hüther die Lernbereitschaft – also auch die Lerneffektivität – erhöht. So kann studentische Partizipation in der Lehre direkt zur Verbesserung der Lehre beitragen – ein guter Grund für uns an dem Thema dran zu bleiben und weitere konkrete Vorschläge auszuarbeiten, wie man das genau umsetzen kann.

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